Die Schwedische Akademie in Stockholm bleibt auch unter neuer Führung unberechenbar: Den Literaturnobelpreis des Jahres 2009 erhält die Berliner Autorin Herta Müller, nur zehn Jahre nach Günter Grass. Die Jury würdigte ihre „Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa“, mit der sie „Landschaften der Heimatlosigkeit“ schaffe.
Donnerstag, 8. Oktober 2009
sensation in stockholm
Die Schwedische Akademie in Stockholm bleibt auch unter neuer Führung unberechenbar: Den Literaturnobelpreis des Jahres 2009 erhält die Berliner Autorin Herta Müller, nur zehn Jahre nach Günter Grass. Die Jury würdigte ihre „Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa“, mit der sie „Landschaften der Heimatlosigkeit“ schaffe.
Samstag, 12. September 2009
manchmal ist der tag bewölkt

A Day. So blue.
Ein Tag. So blau.
An einem Tag im Januar. Kalt und blau.
Ganz still ist es im Raum, auch im Flur. Blau und dämmrig. Was ich höre, ist das leise Brummen des Maschinenmotors.
Ich hole meinen Blick vom Fenster zurück, verlasse das blaue Neblige davor und wende mich meinen Händen zu.
Griffig ist der Stoff, auf denen sie liegen – und anschmiegsam. Gut würde die Nadel einstechen können, keine Fäden ziehen.
Die Decke nimmt Form an. Aus vielen Vierecken. Quadrat an Quadrat. Aneinandergeheftet. Ich atme aus und konzentriere mich auf meine Hände, auf die Finger. Sie fassen fest die beiden Stoffbahnen und schieben sie unter das silberne Füßchen.
Mein Fuß tritt sacht auf das Pedal und schon sticht die Nadel mit dem Faden vorsichtig durch das Gewebe, verbindet beide Bahnen und stößt diese – nun zusammengefügt für lange Zeit – hinter sich aus.
Ich nehme den Fuß vom Pedal. Der Motor schweigt, erneut siegt die Stille im Raum. Ich schaue auf die Uhr. Nachmittag.
Der Raum hilft mir, meine Gedanken zu sortieren. Weiße Wand, dunkles Parkett, ein breites Sofa, ein hölzerner Tisch, darauf die Nähmaschine, ein Stuhl und ein Bild an der Wand – nichts weiter füllt das Zimmer.
Oh doch! Ich habe das Regal vergessen. Ein Regal über eine ganze Wand, Fach an Fach, Schublade neben Schulblade – Berge von Stoffen, Accessoires. Ideen schaffen sich Platz in Mappen und Ordnern.
Die Stille tut mir gut. Ich lasse die Näharbeit liegen und erhebe mich, laufe in den Flur. Lang ist er, sicher vier bis fünf Meter. Genau habe ich es noch nicht gemessen. Ein Kalender hängt an der Wand. Einer mit Texten aus der Bibel, dem Alten Testament. Berührend gestaltet. Und heute nun dieser Text.
Das Lob der tüchtigen Hausfrau.
In mir brennt Wut wie Feuer.
Die Wut treibt mich in die Küche, ins Chaos.
Töpfe, Tassen, Besteck ... schmierig und schmutzig füllen sie die Spüle. Ich mag sie nicht, die Hausarbeit. Ich mag nicht immer tun, was ich tun soll ... ich sehne mich nach Zeit für mich. Ich rebelliere.
Aber da hängt das Bild. Ein Kind – mein Kind – malte es. Über brauner Erde eine gelbe Sonne, darunter Blumen und ein winkendes Strichmännchen. Ein Trost?
Ich lasse Wasser in die Spüle laufen, säubere knurrend die Teller, schrubbe Töpfe.
Nach einer Stunde ist alles in die Kästen geräumt, die Arbeitsflächen gesäubert, Müll sortiert und weggebracht.
Auf der Küchenbank prangt ein Kissen. Neu genäht. Aus vielerlei Blau. Und mit einer Stickerei – Lavendelblüten. Ich schaue und träume und rieche Blütenduft.
Nein. Nicht geträumt. Auf. Auf!
Ich gehe ins Bad. Hier liegen noch vom Mittag die hingeworfenen nassen Sachen der Kinder. Jetzt sind sie spielen – draußen im Schnee, in der Dämmerung. Sie werden kommen mit roten Wangen, mit kalten Händen, mit Hunger im Bauch. Und sie werden erzählen und Kakao trinken – und meine Küche wird leben.
Mein Herz wird warm.
Von dieser Wärme eingehüllt stopfe ich schnell die schmutzigen Sachen in die Waschmaschine, sortiere mehr dazu und stelle sie an. Ich schnuppere in die offene Waschmittelflasche. Hm ... herrlich! Auch hier ein Blütenrausch!
Ich greife noch zum Wischer und putze das Bad durch. Das ging schnell. Dazwischen kommt mir eine Idee ... Ich renne ins Nähzimmer. Schreibe sie auf. Ich freue mich, weil ich sie halten konnte und sie mir nicht entwischt ist. Ich werde viel Freude beim Umsetzen haben.
Nun öffne ich die Tür zum Kinderzimmer. Schuhe, Strumpfhosen, Pullis türmen sich. Saubere Wäsche räume ich ein. Schmutzige werfe ich in den Flur. Es ist nicht schwer, die Behälter im Badezimmer neu zu füllen. Ich habe die Betten noch nicht gemacht – nun tue ich es mit den Gedanken an die Kinder. Ich sortiere das Durcheinander auf ihren Schreibtischen – zaghaft. Alles hat seine Berechtigung, nichts werfe ich ungefragt weg. Da liegt ein rosa Buch. Mein Tagebuch steht oben drauf. Gedanken meines Kindes. Nein, ich erliege nicht der Versuchung ...
Ich gieße die Pflanzen, sauge noch durch und schon ist alles gut anzuschauen.
Das Wohnzimmer empfängt mich in seiner abgestaubten Schönheit. Ich knipse die kleine Stehlampe an. So dunkel ist es schon. Ein warmer Kreis gelben Lichtes breitet sich aus. Eine braune Ledercouch steht vor einer Wand, darüber ein Bild. In wohltuenden Farben. Bücherregale mit Wissen und Geschichten, Träume festgehalten auf Papier. Decken und Kissen in Sesseln, wollig und sahnefarben. Wie viele Abende, Stunden saß ich hier, allein, zu zweit, mit der Familie und mit Freunden – las, dachte, träumte.
Ich kann sie nicht zählen. Viele waren schön, andere traurig, manche machten Angst.
Da, auf dem Holztisch liegt ein Buch. Es trägt einen Schutzumschlag. Ich weiß, dass es die Bibel ist. Ein Buch, in das Gott seinen Plan schrieb. Seinen Plan mit den Menschen, damit ihr Leben gelingen kann.
Runde, glatte Steine liegen daneben. Mitbringsel. Einer ist wie ein Herz geformt. Er liegt dem Buch am nächsten. Ich lächle. Mein Herz ist mit dem Schreiber der Zeilen fest verankert. Wie oft hat er mir den Weg gewiesen.
Ein Lichtschein fällt vom Fenster herein, hakt sich am gläsernen Kerzenständer fest. Er zerbricht an den kugeligen Glasschnüren und verströmt bunte Farben. Der Lichtstrahl trifft mein Herz. In seinem Sterben schenkt er glänzende Schönheit.
In Gedanken sehe ich ein anderes Bild – Kreuzesbalken. Daran vollzog sich ein Sterben, das Leben schenkte.
Später öffne ich die Tür am Kaminofen und mache ein Feuer. Das Kiefernholz knistert und knackt und verströmt seinen unverwechselbaren Duft in den Raum.
Mein Mann wird sich freuen.
Mir kommt in den Sinn, dass ich noch nicht den Briefkasten unten im Haus geleert habe. Ich greife zum Schlüssel, schlüpfe in die Schuhe und laufe zum Kasten. Eine ganze Menge Inhalt fällt mir in die Hand.
In der Küche sortiere ich Werbeprospekte, amtliche und private Post. Heute ist der Haufen private Post ein bunter. Ich staune. Ich habe viele Bekannte durch eine Website im Internet kennengelernt. Es sind Frauen, die Jesus lieb haben. Es ist eine gute Gewohnheit geworden, mich mit diesen Frauen aus aller Welt auszutauschen. Und ganz oft bekomme ich Post von ihnen. So auch heute. Sie haben lustige Nicknamen, verzieren ihre Briefumschläge mit schönen Aufklebern und tiefsinnigen Worten. Oft sind besondere Karten mit schönen Sprüchen beigelegt. Manchmal fällt mir ein Teebeutel oder ein kleiner Schokoriegel aus dem Umschlag entgegen. Ein Gruß, der mein Herz froh schlagen lässt.
Ich setze mich an den Tisch und lese unter der Küchenlampe die an mich gerichteten Worte. Trost empfange ich. Gleichgesinntes. Mutmachendes.
Ich räume die Post beiseite.
Aus dem Kasten im Schrank hole ich die mit Sternen übersäte Leinendecke und lege sie auf den Tisch. Heute ist ein Sternentag, wird mir klar. Ich suche schönes Geschirr heraus und decke den Tisch.
Dann bereite ich einen Auflauf zu, putze einen Salat, rühre Dressing an.
Ich freue mich. Bald kommen die Kinder, kommt mein Mann.
Und ich darf es ihnen schön machen.
Als alles bereit ist für ihr Kommen, gehe ich hinaus in den dämmrigen Flur und weiter in mein Nähzimmer.
Mein Blick streifte den Spruch am Kalender. Ich freue mich. Vor meinen Augen sehe ich schemenhaft die Frau, die vor ihrem Zelt – an einem Feuer – hockt und Decken macht, wie es in den Zeilen des Textes in der Bibel beschrieben wird. Ich lerne viel von meinem Gott. Wie wohl fühle ich mich jetzt. Das Aufräumen hat nicht lange gedauert und im Grunde war es keine Mühe. Jeden Tag ein Stück. Dann wird ein Ganzes daraus.
Ich tilge die Wut aus meinem Gedächtnis.
Ich stehe vor dem Fenster.
So blau ist alles. Das Neblige hat sich davongeschlichen. Lichter flammen auf. Sacht beginnt es zu schneien. In mein Herz ist ein großes Geschenk gefallen.
Bibel – AT – Sprüche 31
© by gh
produkt a day. so blue.Mittwoch, 2. September 2009
dicke zeit
bild: "frau mit hut" mit freundlicher genehmigung von hanka
Nackt und rund gibt der Spiegel Hanna wieder.
Sie sieht Dellen und Wülste, sieht und spürt Schenkel, die aneinander reiben.
Die Brust hängt schwer herab.
Kein schönes Bild.
Und doch ist es das, was sie äußerlich ausmacht. Nach dem Inneren fragt schon lange keiner mehr.
Schön ist ihr langes, blondes Haar, ihre blauen Augen mit dem dunklen Ring um die Iris. Sie hat kleine, niedliche Ohren. Ideal für Ohrringe.
Die Hand des Malers schiebt sich mit einem schillernden Seidenschal hinter den Paravent. Hanna drückt den leichten Stoff vor die Brust, tritt zögernd hervor.
Auf den kurzen Weg will sie der Mut verlassen, aber der Maler reicht ihr den erneut gefüllten Becher mit Wein. Schnell spült sie damit ihr Schamgefühl fort, weg, weg ... weit weg.
Bald fühlt sie sich besser.
Der Mann verteilt Kissen über den Diwan. Hanna setzt sich unbeholfen in die Polster.
Vorsichtige schiebt der Künstler Hanna in eine liegende Haltung, hebt die Beine in Position.
Dann tritt er ein Stück zurück, verschränkt die Arme, greift sich ans Kinn und lässt seinen Blick prüfend über die Frau gleiten.
Noch einmal geht er auf sie zu, drapiert ihr Haar auf den Arm, den sie unter ihren Kopf geschoben hat. Die Brust verhüllt er leicht mit dem Tuch, lässt es spielerisch über Bauch und Hüfte bis zu den Beinen wallen. Die Zehen der kleinen Füße sind rot lackiert.
Im Schein der Sonne, der zwischen den Vorhängen durch ein großes Fenster fällt, ergibt das Ensemble ein aufregendes Farbenspiel.
Konzentriert beginnt der Maler sein Werk.
Malt Umrisse, Schatten und Flächen, Ausbuchtungen und Rundungen.
Hanna entspannt sich, ist nun ganz locker, kann aber ihre Gedanken nicht steuern. So vieles geht ihr durch den Kopf.
Der Wein hat ihr eine schöne Leichtigkeit vermittelt, und doch denkt sie: Warum lasse ich mich so malen, so ohne allen Schutz ... nackt?
In der Welt, in der sie lebt, hängt der Maßstab des menschlichen Wertes ausschließlich von der Aussage einer Personenwaage ab. Und dieses Ergebnis wiederum steuert Erfolg oder Misserfolg im beruflichen Leben.
Sie hat viel Schlimmes an Diskriminierung, Erniedrigung und Anfeindung erleben müssen.
Ihre Seele ist zerschunden. Nun hat sie sich etwas ausgedacht ...
Warme Stille tropft wie flüssiger Honig in ihr Ferienhaus.
Die tief stehende Abendsonne malt auf Wand und Möbel Ornamente in veränderbaren Mustern.
Mitten hinein in dieses Flimmern legt sich Hanna auf ihr Bett, schließt die Augen und lässt die Hände über ihren Körper gleiten.
Sie spürt den eigenen Pulsschlag, fühlt jede Unform ihres Leibes, spürt die noch festen Schenkel.
Dann erhebt sich Hanna, geht in die Küche und bereitet sich ein Abendbrot zu.
Sie nimmt den Teller und setzt sich auf die Veranda.
In der Dämmerung leuchten die Kerzen hell und flackern ab und zu im Luftzug.
Von nun an fährt sie jeden Morgen um die gleiche Stunde zur Kleinstadt.
Jedesmal wird sie mit einem Becher Wein begrüßt, und jedesmal muss sie neu ihre Scheu überwinden.
Aber der Maler ist ein feinfühliger Mensch.
Nach den Sitzungen durchblättert er mit ihr Bildbände, die er stapelweise auf Borden hortet. Er zeigt ihr korpulente Frauen - Mätressen, Geliebte, Prostituierte, Kurtisanen, die reiche Herren in Öl, Aquarell oder nur mit Stift malen ließen.
Rosiges Fleisch.
Und eines Tages ist es dann geschafft: Das fertige Bild steht auf der Staffelei und leuchtet in seinen natürlichen Farben den Raum aus. Ein augenblicksgebundener Moment gebannt auf Leinwand.
Hanna ist sehr zufrieden.
Sie bestellt sich einen Mietwagen aus Landskrona, und holt ihr Bild ab und lehnt es an die Wand im Ferienhaus.
Die geöffnete Rotweinflasche steht auf dem Holztisch, ein derbes Weinglas daneben.
Und wieder tropft Zeit in die Stille des Tages.
Hanna füllt ihr Glas und wendet sich dem Bild zu. Schaut und empfindet.
Etwas Eigenartiges geschieht – sie beginnt sich wohl zu fühlen in ihrer leiblichen Hülle.
Der Maler hat sie gelehrt, die Weichheit und Fülle ihres Körpers mit anderen Augen zu sehen. Die Geschmeidigkeit und den Glanz ihrer Haut, die leichte Brauntönung und die gesunde Durchblutung ihres Teints sieht sie nun als etwas ganz Besonderes.
Zu Hause angekommen, verwirklicht sie ihre an Gestalt gewonnene Idee.
Hanna mietet eine große Werbewand und lässt sie mit ihrem Bild als Plakat bekleben. Folgender Kommentar steht darunter:
Es wird Zeit zu wissen, dass ich ICH bin.
Das Labyrinth der Zeit, der Zeit, in der sie sich unwürdig vorgekommen war, ist durch ihren Willen, sich zu verändern, durchbrochen.
Hannas Laden, ein Modegeheimtipp für kräftig schöne Frauen –
denn jede Frau ist auf bestimmte Weise schön – wird ein voller Erfolg.
Mitten im Laden prangt nun die pure nackte verhüllte Weiblichkeit!
© by gh/2005
Sonntag, 23. August 2009
dicke zeit
Hanna denkt an die Auszeit, die sie sich nimmt.Eine Pause vom Leben. Würde sie Antwort finden?
Es gibt nur einen Ausweg, wenn man einmal in ein Labyrinth geraten ist, das ist der Wille, sagte vor zwei Jahrhunderten eine Berliner Schriftstellerin.
Würde sie, Hanna, denn diesen Willen haben?
Ein Leben neu zu gestalten? Sich selbst aus dem Labyrinth zu lotsen?
Sie weiß es nicht.
Sie zahlt, nimmt ihr Rad und macht sich auf, um die Adresse aufzusuchen, die sie sich auf den Zettel notierte.
Ein Namensschild hängt neben dem Eingang. Emailliiert, gealtert, schafft es ein Pendant zu einem Seil mit Porzellangriff.
Die Tür wird geöffnet.
Ein Mann steht vor ihr.
Tiefbraune Augen. Kopf und Kinn sind eingebettet in graue Wolle.
Und dann sieht sie nur noch diesen lächelnden Mund, der sie ins Haus bittet.
Sie setzen sich in rotsamtene Sessel.
Geheimnisvoll, denkt Hanna, die schweren Vorhänge, die prallen Rosenköpfe auf der Tapete. Verrucht, denkt sie noch.
Der Mann riecht nach Farbe, nach Firnis. Vor allem nach Tabak und Wein.
Auf einem Tischchen stehen ein Krug und Gläser.
Der Mann erhebt sich und füllt ein Glas mit rotem Würzwein. Er reicht es Hanna.
Dann läuft er auf einen Vorhang zu, der von der Decke herabhängt. Wieder lächelt der Mann und reißt mit einem Schwung den Vorhang beiseite.
Hanna trinkt. Verschluckt sich. Hustet.
Als alles sein Einverständnis hat, legt er mit Schwung eine violette Seidendecke über das Möbel.
Die Decke bläht sich, erzeugt Wind, der Hanna streift.
Er wendet sich Hanna zu und bittet sie zum Liegebett.
Mit beiden Händen, die rau und trocken sind, greift er nach ihren feuchten Fingern und spricht ermutigend auf sie ein, schiebt sie dabei in Richtung Paravent.
Hannas Blick streift eine weiße Leinwand, die ihr Herzklopfen bereitet.
Ein Spiegel – mannshoch – hängt an der Wand hinter dem Sichtschutz.
Überdeutlich und ohne allen Kompromiss zeigt das Glas eine dicke Frau.
Nach kurzem Besinnen löst sie energisch den BH-Verschluss, legt das Spitzengespinst auf den Kleiderhaufen – und schiebt entschlossen den Slip vom Po.
© by gh
fortsetzung folgt.

Freitag, 21. August 2009

„So gibt es Regeln für diesen herzigen Amiga-Award: Erzähle 5 Dinge die Du gerne machst,dann reiche den Amiga-Award an 10 Personen weiter.“
2) beim lesen aber werde ich nicht selten motiviert, zum stift oder zur taste zu greifen;
3) seit einiger zeit darf ich ein kleines, aber feines arbeitszimmer als mein reich betrachten; dort steht eine nähmaschine ... mehr brauche ich wohl nicht zu sagen ;o)))
4) ich genieße es in gesellschaft zu sein - einen tag im kreise von familie und freunden zu erleben, einen ausflug, ein picknick zu veranstalten, gäste einzuladen;
5) als letzten punkt möchte ich meinen glauben an jesus christus nennen, der mich in jeder lage meines lebens hält und trägt;
1) creanette

vergeben - für ihre wunderschönen gedanken, für ihren kunstvollen ausdruck und vielfältige mal-ideen.
ICH persönlich finde alle blogs einmalig schön. ich sehe die gedanken, die dahinter stehen, die mühe, das erzählen, das sich öffnen.
dafür ein danke an euch ALLE, dass ich an eurem leben anteil haben darf."
Sonntag, 16. August 2009
dicke zeit
teile I und II sind hier nachzulesen.
Die Sonne bringt den Lack der weißen Holzveranda so sehr zum Leuchten, dass er Hanna blendet. Sie greift nach ihrer Tasche, sucht die neue, teure Sonnenbrille hervor. Beim Kramen findet sie den Zettel, den mit der Anschrift ... Hanna liest, sinnt, schüttelt den Kopf, will den Zettel zerknüllen – hält inne ... und nun bekommen ihre Augen den Ausdruck von etwas Festem, Sicherem.
Dann erhebt sie sich, trägt das Geschirr in die winzige Küche, verstaut es im Spülbecken.
Im Badezimmer zieht sie ihre helle Leinenhose und den Baumwollpulli an, legt Make up auf, bindet ihr blondes langes Haar hoch und verlässt das Häuschen.
Im Schuppen findet sie das im Prospekt angekündigte Fahrrad. Sie probiert vorsichtig, tritt in die Pedale, spürt, dass das Rad sie trägt – und fährt los.
Der sandige Weg führt wieder an der Küste entlang. Jetzt nordwärts.
Sie fährt dort vorbei, wo der Öresund seine engste Stelle hat.
Nur ein paar Kilometer beträgt die Entfernung hinüber zur dänischen Insel Seeland.
Sie biegt nun in südwestlicher Richtung ab und durchradelt kleine Ortschaften, die verschlafen im zeitigen Morgen liegen.
Einmal bremst sie so scharf, dass ihr Hinterrad ausschert und sie vom Rad springen muss. Hanna durchwühlt in heißer Angst ihre Tasche und findet aufatmend den Zettel mit der Anschrift. Erleichtert fährt sie weiter.
Von weitem schon sieht sie einen Kirchturm, der in den blauen Himmel ragt. Der sandige Weg wird zur Straße mit holprigem Pflaster.
Eine Kleinstadt gruppiert sich um den Marktplatz.
Am Gemeindehaus hängt die blau-gelbe Flagge Schwedens. Sonnenschein spiegelt sich auch hier in blanken Fenstern. Vom Platz aus führen Straßen in verschiedene Richtungen.
Auf dem Markt tummelt sich schon fröhliches Leben. Stände werden mit Ware bestückt. Ladenbesitzer, die in den Häusern rund um den Platz ihre Geschäfte haben, öffnen ihre Türen und stellen Werbeständer davor.
Das Bild rundet sich und Hanna hat ihre Freude daran.
Sie erspäht ein kleines Kaffee in der Nähe des Marktbrunnens. Ein steinerner Junge lässt seinen Pinkelstrahl im Tageslicht glitzern.
Belustigt sucht sich Hanna einen Platz an einem der runden Tische, bestellt sich einen Cappucchino und lehnt sich entspannt zurück.
© by gh
fortsetzung folgt.
Montag, 3. August 2009
demenz
Meine kleine liebe Mama. Meine kleine, liebe, verrückte Mama.Ich hätte kotzen können!
Mama! Ich hielt die Hände fest, die mich streicheln wollten. Die Wandfläche in ihrem erreichbaren Umkreis zeichnete ein groteskes Muster. Zum hundertsten Male. Ich rannte halb blind vor Tränen zu der Kiste mit den Latexhandschuhen, wischte mir die Tränen ab, heulte erneut. Mama. Meine arme Mama.
Mama, du machst das. Mit Absicht. Weil du das hier willst.
Meine liebe arme Mama. Ich föhne dir das Haar.
Manchmal wollte ich es nicht wahrhaben, dass sie gegangen war, schon lange, vor Zeiten – an einem Sommermorgen, als sie feststellte, dass die Buchstaben im Buch keine Worte mehr waren.